Freitag, 23. Februar 2018

Low-Carb Mythen (1)

Je länger ich mich wieder "klassisch paleo" und damit nicht-ketogen ernähre, desto weniger werden auch sämtliche muskulären Probleme, die mich in den letzten Monaten massiv geplagt hatten und vor allem: Mein Knie macht nur noch seltenst Zicken irgendwelcher Art. Bald wird der Tag kommen, an dem ich wieder mal ein Läufchen wagen werde.

Was hab ich mir da nur mit der ketogenen Paleo-Variante eingebrockt? Ich hab ja in den letzten Beiträgen schon das ein oder andere deutliche Wort gefunden, aber nun scheint es angebracht den Mythen der Low-Carb-Szene, insbesondere der ketogenen Low-Carb-Varianten wie LCHF auf den Zahn zu fühlen. In lockerer Folge will ich das mal versuchen und schneide gleich zum Beginn mal die Frage an, ob denn der Mensch überhaupt Kohlenhydrate zuführen muss, um überleben zu können, sprich: ob diese essentiell sind.
von Robert Bock

Man könnte die Frage eigentlich recht flott mit einem Nein beantworten, aber so einfach ist es nicht. Behaupten doch zahlreiche "Gurus" der Szene, dass Kohlenhydrate im Grunde lediglich Energielieferanten sind, aber für den Strukturstoffwechsel unseres Körpers, für die Bildung von Knochen, Muskeln, Sehnen, Zellen jeder Art, eigentlich keine Rolle spielen würden.

Insofern also entbehrlich, da unser Körper ja schließlich auch aus Fett und (über den Umweg der Gluconeogenese) Glucose aus Proteinen und der Glyzerinbrücke der Triglyzeride bilden könne und Fett ein den Kohlenhydraten mindestens ebenbürdiger Energielieferant sei. Seien es die freien Fettsäuren oder die Ketone. Kohlenhydrate? Überflüssig. Braucht man nicht essen oder trinken. So der "Conventional Wisdom".... .

Doch das, liebe Freunde der extremen Kohlenhydratrestriktion, ist so nicht richtig, denn es ist sehr wohl so, dass unser Körper Kohlenhydrate in Körpersubstanz einbindet - und ich spreche nicht von Leber- oder Muskelglykogen, also blossem Energiespeicher.

Ich spreche von langfristig (über)lebensnotwendigen Strukturen wie "Mucus" (vulgo: Schleim), den wir z.B. für das Funktionieren unserer Atemwege und unserer Darmschleimhaut benötigen. Ich spreche von Hyaluronan, das wir für die Schmierung unserer Gelenke und auch Zellmembrane brauchen. Auch bestimmte Bindegewebsstrukturen kommen auf Dauer ohne diese Substanz nicht aus.

Hinter diesen, für das dauerhaft reibungslose Funktionieren unseres Körpers notwenigen Substanzen verbergen sich oberbegrifflich "Glykoproteine". Verbindungen von Kohlenhydraten und Proteinen. Ohne Kohlenhydrate keine Glykoproteine, ohne Glykoproteine kein Leben.

Der täglich notwendige Bedarf an Kohlenhydraten alleine zur Produktion der Glykoproteine wird auf 200 kcal pro Tag geschätzt. Das entspricht 50 g Kohlenhydraten pro Tag für die Produktion der ca. 2 Millionen Glykoproteine, auf die unser Körper regelmässig zurückgreift. Hyaluronan verbraucht dabei tagtäglich 5 g an Kohlenhydraten.

Kohlenhydrate verbinden sich aber nicht nur mit Proteinen zu Bausubstanz  für den Strukturstoffwechsel, sondern auch mit Fetten. Dann spricht man von Glykolipiden. Solche kommen in allen Formen von Körpergeweben vor. 10% der Trockensubstanz unseres Gehirns besteht z.B. aus Substanzen, die zu den Glykolipiden zählen. Konkrete Zahlen, wie viel Bedarf an Kohlenhydraten für die Produktion von Glykolipiden benötigt werden, hab ich leider bislang nicht gefunden.

Was hat das alles mit Low-Carb zu tun? Nun, wenn im Kontext ketogener Ernährung wie z.B. LCHF mit einer Kohlenhydratzufuhr von unter 50g/d gearbeitet wird, teils auch runter in den einstelligen Bereich, dann deckt das weder den Glucosebedarf des Gehirns, selbst wenn dieses bereits optimal ketoadaptiert ist (ca. 20-30% der Energieversorgung des Gehirns müssen zwingend über Glucose erfolgen und nebenbei bemerkt gibt es neben dem Gehirn noch ein paar weitere Zelltypen, die zwingend auf Glucose angewiesen sind und nicht mit Lipiden oder Ketonen arbeiten können), noch den völlig ausgeblendeten Bedarf an Glucose für die Produktion der Glykoproteine und Glykolipide.

Wenn wir uns mangels Daten für die Glykolipide auf die Glykoproteine beschränken, dann stellt sich die Frage, wo bei einer ketogenen Ernährung dann die fehlenden 50g/d an KH herkommen sollen?

Richtig: Nahrung oder Körpersubstanz. Entweder über KH direkt, dann aber bricht die Ketose zusammen, oder über Proteine. Um über Gluconeogenese 50g Glucose aus Proteinen herzustellen, muss man rund 86g Proteine zusätzlich zu den Proteinmengen zuführen, die man für die lehrbuchmäßige Versorgung des Gehirns und den Erhalt von Körpersubstanz braucht, will man keine Muskulatur abbauen.

Will ja i.d.R. niemand, der z.B. mit LCHF abnehmen will, denn Abbau von Muskulatur bedeutet Absenken des Grundumsatzes. Und das bedeutet über kurz oder lang bei gleicher Nahrungszufuhr Stagnation auf der Waage und die Gefahr des Jojo-Effekts, wenn man mal "sündigt", wie es so zweifelhaft schön genannt wird.

Wo ist das Problem - futtern wir halt zusätzlich ca. 300-400g Fleisch am Tag? Zusätzliche rund 86g Protein pro Tag bedeuten aber eben auch (je nach Proteinquelle) potenziell mehr Purine und damit anfallende und ausscheidungspflichtige Harnsäure. Nicht nur das: Auch höhere Mengen an Ammoniak, der im Proteinstoffwechsel entsteht und ausgeschieden werden muss. Zudem können - je nach Konstitution des betreffenden Menschen - bei solch hohen Proteinmengen die Kapazitäten der Leber überfordert werden, mit all den giftigen Nebenprodukten des Proteinstoffwechsels umgehen zu können. Im allgemeinen setzt man die Grenze bei ca. 3,3g/kg/d an Protein an, ab der es definitiv kritisch diesbezüglich wird. Schließlich: Wohin mit all den nicht-glucogenen Aminosäuren, aus denen der Körper keine Glucose basteln kann, die man da zusätzlich zuführt? Wir sprechen von grob gesagt 36g/d? Was nicht verbaut werden kann, muss raus. Was raus muss, zwingt die Ausscheidungsorgane zu Zusatzschichten. Das wird nicht auf Dauer gut gehen.


Verzichte ich aber auf die notwendige Zufuhr der zusätzlichen mindestens (immer dran denken: den Bedarf für die Glykolipide hab ich gar noch nicht reingerechnet!) 86g an Proteinen aus denen dann 50g KH gebastelt werden können, dann kommt die Produktion der Glykoproteine und Glykolipide in Engpasslagen. Die Folgen können Probleme mit den Gelenken sein aber auch Darmkrebs wird mit unzureichender Schleimversorgung des Darmes in Verbindung gebracht.  Über weitere Gesundheitsprobleme will ich nicht spekulieren, dazu hab ich mich auch noch nicht eingehend genug mit dem Thema beschäftigt.

Kann also ketogene Ernährung wie LCHF auf lange Sicht - und strikt nach Lehrbuch betrieben - zu erheblichen Gesundheitsproblemen führen? Konkrete epidemiologische oder gar kontrollierte klinische Studien gibts leider (noch) keine, aber die biochemischen Zusammenhänge legen die Formulierung entsprechender Hypothesen auf jeden Fall nahe.

Unterm Strich: Kohlenhydrate sind nicht ledigliche "Energiespender", sondern finden auch in Form von Glykoproteinen und Glykolipiden Verwendung bei der Genese von Körpersubstanz. Dieser Fakt wird i.d.R. in der einschlägigen Literatur zu Low-Carb-Konzepten schlicht unterschlagen. Sämtliche Bedarfsrechnereien, wie sie in Low-Carb-Kreisen angestellt werden und die zu Zufuhrmengen von unter 50g führen, sind somit für die Tonne. Stabile dauerhafte Ketose verträgt sich bei den meisten Menschen nicht mit einer ausreichenden Bildungskapaziät für Glykoproteine und Glykolipide und umgekehrt. Dito kann Ketose als Dauerzustand alleine aus diesem Zusammenhang heraus betrachtet kein gesundes Konzept sein.

Re-Post vom 27.07.2013

Kommentare:

  1. Mh, das kann ich dir ohne Fachkenntnisse dennoch unterschreiben. Habe 2x mit LCHF begonnen.
    Furchtbare Gelenk und besonders Knieschmerzen habe ich bekommen. Meine Periode war so (SORRY) dickflüssig, ich hatte übelste Unterleibsschmerzen und musste mich mit Migräne und Erbrechen rumschlagen... Hab mich während meiner LCHF-Zeit gefühlt, wie meine eigene Oma.
    Und ganz ehrlich, ohne beleidigend werden zu wollen, die meisten LCHF-Blogger sehen ziemlich alt und faltig aus. Das fiel meinem Mann zuerst auf und er hat recht. Meine Haut war auch viel faltiger und ich sah verbraucht aus. Komisch, ne?

    Diese Art der Mangelernährung ist nichts für mich!
    DEFINITIV will ich mich nie mehr so fühlen und so aussehen.

    LG, Auriel

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    1. Oh.Mein.Gott! Gehör ich zum altig-faltig-Clan dazu?!?!? *kreisch*
      Das mit der Periode kann ich allerdings nicht unterschreiben *sorry Robert :-D*

      Ich denk nicht, dass man alle Beschwerden über den LCHF-Kamm scheren kann.
      Aber ich sehe es durchaus ebenso kritisch und bin dabei, meine "guten" KH zu erhöhen.

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    2. Der Kommentar stammt nicht von mir, Du brauchst das "sorry" also auch nicht an mich richten ;)

      By the way:
      1) Niemand hat behauptet, dass "alle" Beschwerden mit LCHF zu tun haben, insbesondere deren Ursache LCHF ist
      2) Bestimmte Beschwerden können unterschiedliche Ursachen haben, auch solche , die mit LCHF nichts zu tun haben - u.U. kann (!) es aber auch LCHF-spezifischer Stoffwechsel sein, der gesundheitliche Probleme provoziert.
      3) In der Low-Carb-Szene gibt es eine, m.E. bedenkliche Tendenz der Protagonisten, unangenehme Fakten auszublenden, die das Weltbild in Frage zu stellen drohen.

      Da sind sie aber nicht die Einzigen,...da neigt der Mensch in seinem bemühen kognitive Dissonanzen zu vermeiden, wohl generell dazu. Auch die Paleo-Szene. Auch ich, aber ich nehme für mich in Anspruch, mich nach Kräften zu bemühen, nicht in diese psychologischen Fallen zu tappen. Unabdingbar ist hierfür m.E. das kritische Lesen der Pro- und(!) der Kontra-Literatur bzw. Würdigung der jeweils vorgebrachten Argumente. Denjenigen, die mit einer Linie ihre Kohle verdienen (wollen) ist vernünftigerweise die größte Skepsis entgegenzubringen. Die sind oder werden dann leider aus pekuniären Gründen regelmäßig auf einem Auge blind.

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    3. Das sorry war darauf bezogen, den "Weiberkram" hier weiter auszubreiten.

      Mit "alle Beschwerden" pauschalisieren meinte ich nicht deinen Post an sich, sondern eher, wenn einer sagt "xy-Diät" macht krank, dann merken auf einmal 10 Leute, dass sie seit dieser Diät 10 Pickel mehr haben. Beschwerden, die man unter einer Diät hat, KÖNNEN mit dieser Diät in Zusammenhang stehen, MÜSSEN aber nicht. Und oft wird das eben so dargestellt.

      Das ist nun etwas überspitzt gesagt- ich will damit nicht provozieren.

      Aber dass nun Auriel auffällt, dass ihre Periode dickflüssiger war- das kann meiner Meinung nach mit 10 anderen zufälligen Gründen zusammenhängen.
      Wenn jemand für sich merkt- mit LCHF hab ich diese und jene Beschwerden- ist doch okay, wenn er es lässt. Ebenso mit dem faltig- mir ist das noch nie aufgefallen- aber vielleicht ist das bei mir der Punkt, wo ich die Augen verschliesse?!?

      Ich persönlich mag es, wenn ich Fakten nachvollziehen kann. Wenn mir einleuchtet, warum etwas schlecht ist bzw. was man tun sollte, um es zu verbessern.

      Ich informiere mich selbst, so gut ich es kann und reite nicht blind irgendwelchen Personen hinterher.
      Ich habe auch nicht den Anspruch, LCHF als heiligen Abnehmgral zu verkaufen- aber ich denke auch nicht, dass man es für alles verantwortlich machen muss (auch dies wieder nicht auf deine Posts bezogen).

      Ich denke, auch mit LCHF ist einem die Verantwortung für sich selbst nicht von den Schultern genommen. Jeder muss für sich sorgen, und entscheiden, versorge ich mit x g KH meinen Körper gut oder schlecht. Dass diejenigen, die ihre 10 g KH aus Sahne und Kaffee beziehen und Gemüse meiden, weil das KH-Lieferant ist- da kann auch LCHF nichts dazu.

      Allerdings finde ich auch, dass dies im Forum bei weitem mehr "beanstandet" werden soll. Aber auch hier ist man schnell wieder an der Grenze von Eigenverantwortung.

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    4. Das mit den Falten ist doch gar nicht so abwegig, wenn man bedenkt, dass eine ketogene Ernährung extrem entwässert und durch das abnehmende Muskelvolumen (jedes Gramm Glykogen bindet 3-4g Wasser)plus abgenommenem Speck im Lauf der Zeit die Haut Falten schlägt.

      Ich selbst teile aber diese Beobachtung nicht, dass das an LCHF'lern geradezu ein Erkennungszeichen wäre.

      Interessant finde ich, dass Du spontan zehn Gründe außerhalb der LCHF-Ernährung für die von Auriel geschilderten "Zähflüssigkeitsprobleme" finden würdest, aber nichts daran auszusetzen zu haben scheinst, dass es für Übergewicht in der LCHF-Ideologie im wesentlichen auch nur einen Verursacher gibt, und zwar die Insulin-KH-Connection... .

      LG Robert

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    5. Ich wusste nicht, dass ich bei jedem Wort dazuschreiben muss, wie ich es meine.

      Im Übrigen bin ich weder Verfechter von LCHF, der die Augen verschliesst (so wie du kritisierst). Allerdings wehre ich mich auch dagegen, just jedes Zipperlein einer bestimmten Ernährungsweise zuzuschreiben.

      Irgendwie hab ich schon ein wenig das Gefühl, dass mir das Wort im Mund rumgedreht wird.

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    6. So ziemlich jedes "Zipperlein" (ein aus der Mode gekommenes Wort für die Gicht übrigens...) ist zumindest von der Ernährung beeinflusst. Das ist meine Überzeugung. Und damit stehe ich in uralter Tradition, in der ich mich durchaus gut aufgehoben fühle:

      "Laßt Eure Nahrung eure Medizin sein und eure Medizin eure Nahrung" (Hippokrates)

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  2. Nachtrag: Momentan wird in LCHF-Kreisen eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Eine Sau der extremen Art, wie ich finde: "3g-KH pro Mahlzeit nicht überschreiten". Alles was recht ist, aber man sollte es nicht übertreiben, Leute. Sudda, Schnitzel, Heinrich &Co... was Ihr damit propagiert ist in meinen Augen ziemlich unverantwortlich. So niedrige Werte sind bei den allerwenigsten Menschen nötig um Ketose aufrecht zu halten, wenn sie abnehmen wollen und (nicht nur) eingedenk der Zusammenhänge, die ich in diesem Blogbeitrag skizziert habe, ein potenzielles Gesundheitsrisiko, wenn man so was auf Dauer anlegt.

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  3. " ... Bindegewebsstrukturen kommen nicht aus ...".
    Trifft in meinem Fall auch zu. Wenn ich zu lange zu stark LowCabr lebe wird die Haut sehr labrig und weich, sprich sie verliert ihre straffe Eigenschaft.
    Mfg

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  4. Also jeder hat ausprobiert und sich FÜR oder GEGEN eine Ernährungsform entschieden. Da ich auch die Abnehmerfolge der unzähligen LCHFler erreichen wollte, habe ich diese Ernährungsform gestartet. Nach dem ersten Abbruch ging es mir ziemlich dreckig. Ich hab es aber auf Hormone und/oder Viruserkrankung oder ähnliches geschoben. Der zweite Versuch und der darauf folgende Abbruch brachten aber genau die gleichen Symptome mit sich.

    Ich will nicht falsch verstanden werden und beziehe meine Probleme ja gar nicht auf alle anderen LCHFler. Aber folgende Probleme scheinen einige LCHFler zu haben und zu ignorieren/ verschweigen:
    Gelenkprobleme
    schlechte Harnsäurewerte
    Gallenprobleme oder gar entfernte Gallenblasen
    schnell alternde Haut (will niemanden beleidigen, aber einige auf LCHF-Blogs schätzt man gut und gerne 10 Jahre älter, was doch sehr erschreckend ist und doch nicht nur an den Genen liegen kann...)

    Bestimmt hab ich noch einige Beobachtungen vergessen.
    Und JA, alles kann natürlich andere Gründe haben, aber du bist, was du isst, also ist das die Grundlage des eigenen Lebens und der Gesundheit.

    Bitte schaut auch über den eigenen Tellerrand, fühlt euch nicht beleidigt, sondern nur mit der Nase drauf gestoßen.
    Das mit der Periode ist mir überhaupt nur aufgefallen, weil ich seit 2 Jahren eine Meluna benutze und OB-Trägerinnen vielleicht gar keinen Unterschied feststellen können. Der war bei mir aber erschreckend! Die Nieren scheinen so belastet, dass jegliche Flüssigkeit zur Ausscheidung benötigt wird. Dabei habe ich sogar deutlich mehr Durst gehabt und getrunken, als ich LCHF gegessen habe.

    Just think about it.
    LG, Auriel

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    1. Auriel, nur der Vollständigkeit halber- ich wollte dich nicht angreifen.
      Wenn du die Beobachtungen unter LCHF gemacht hast, ist das halt einfach so.

      Ich wollte damit nur sagen, wenn man offen bleibt, dann doch in beide Richtungen. Genauso, wie blind nur FÜR LCHF zu plädieren und die rosa Brille aufzuziehen, finde ich es ebenso falsch, blind und taub in die andere Richtung zu gehen. Auch hier (ich sollte es wohl extra dazu schreiben:) meine ich nicht explizit dich, Robert.

      Im übrigen benutze ich seit mehr als 4 Jahren ebefalls eine Menstruationstasse und kann seit fast 1 Jahr LCHF eher das Gegenteil von Zähflüssig feststellen.

      Aber wie schon gesagt: Ist ja jeder Jeck anders.

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  5. Robert, ich lese deine Beiträge mit Spannung und Interesse und habe auch schon viel gelernt, dafür ein herzliches und ehrlich gemeintes Dankeschön!
    Ob LCHF oder eine ketogene Ernährungsweise für jeden Menschen sinnvoll ist, kann man sicher nicht behaupten. Aber die als "gesund" gepriesene Ernährungsweise, wie ich sie vor LCHF gepflegt habe, kann es auch nicht sein (Vollkornprodukte, viel Obst und Gemüse, wenig Fett, mäßig Fleisch, Fisch, so gut wie keine Fertigprodukte). Damit habe ich nicht nur 40 kg zugenommen, sondern auch etliche Wehwehchen ausgehalten.
    Migräne, Knieschmerzen (2 Motorradunfälle, zertrümmerte Knie), Nervosität, Dauerhunger, Lethargie, miese Laune, schlechte Verdauung, saures Aufstoßen, brüchige Nägel und andere Kinkerlitzchen sind völlig verschwunden, seit ich mich LCHF ernähre.
    Aber: ich bastle keine Nachbauten und verballere fast alle KH in Gemüse, Salat und Obst. Ich trinke keinen Sahnekaffee. Gemüse oder Salat gibt es zu _jeder_ Mahlzeit. Und ich habe mir angewöhnt, ungefähr doppelt so viel zu trinken als vorher. Wasser in der Hauptsache.

    Übrigens werde ich immer für 10 Jahre jünger gehalten als ich bin. Und: meine Kosmetik besteht aus Bio-Haarschampoon, Deo, Pflanzenseife. Ich verwende keinerlei Cremes und Pampen, höchstens mal Handcreme und bei besonderen Gelegenheiten "Deko", wie Wimperntusche und Lippenstift.

    Wenn ich meine Abnahme beendet habe, werde ich in jedem Fall eine Modifikation von LCHF in Richtung noch mehr Gemüse, Obst und Salat vornehmen, das esse ich einfach zu gern.

    Auriels Beschwerden sind bedauerlich; so, wie sie sich anhören, weisen sie eher auf einen Mangel an D3 und Progesteron hin. Eine erfahrene Endokrinologin könnte da anhand einer Blutuntersuchung eine geeignete Diagnose stellen und Abhilfe schaffen. Ratet mal, woher ich das weiß :-)

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  6. Liebe Leute - kurzer Hinweis: ich werde ein paar Tage nicht online sein und Eure etwaigen weiteren Kommentare werden deshalb mit Verspätung online gehen. Haltet euch aber deswegen bitte trotzdem nicht zurück und teilt allen Interessierten Eure Meinung mit. Sobald ich wieder im Lande bin, werde ich alle Kommentare freischalten, die eingegangen sind.

    LG Robert

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  7. Toller Beitrag mal wieder - absolut wichtig und nötig! Ich ziehe wieder mal den Hut :)

    Ich komme mit so wenig KH auch einfach nicht gut klar. Mit so viel Fett nehme ich eher tendenziell zu, weil ich nicht satt werde. Die angesprochenen Gesundheitsprobleme habe ich zum Glück nur gestreift, bis auf diese furchtbar morschen Knochen, die jetzt auch behoben sind - mit viel mehr KH.

    Und "paleo"... naja. Das Thema ist für mich an sich auch durch. Ich esse wieder glutenfreie/fruktanfreie Stärkequellen, es geht mir recht gut damit. Vom Verzicht auf Milchprodukte halte ich jetzt allerdings sogar mehr (Ausnahme: Butter/Ghee) als vorher.

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  8. Gerade im Forum Anti-Aging und Praevention gelesen, wollte ich Euch nicht vorenthalten: "Achtung, Ketose vermeiden, da Ketose Falten macht." Das Thema dort war "Vorbeugung gegen Falten" - der Zusammenhang scheint also bekannt zu sein.

    Viele Grüße
    Avocada

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  9. Ich stimme den Beitrag von Obelixa zu und möchte noch etwas hinzufügen.

    Kritik an Lchf kann man üben, mit Sicherheit ist manches nicht so gesund (Bockwürstchen und Mayo, um nur eins zu nennen) ich möchte jedoch zu bedenken geben, dass es dabei meist um Menschen geht, die extrem übergewichtig sind, essüchtig vielleicht noch dazu und KEINE Leistungssportler sind.

    Soll heißen, die haben noch ganz andere Probleme wie ein schmerzendes Knie. ( was jetzt nicht dein Problem negieren sollte)
    Für diese Menschen ist Low carb ein Ausstieg aus einem Suchtverhalten und können dabei abnehmen.
    Wenn ich 130 Kilo wiege und sich mir ein Weg durch LCHF eröffnet, um meine Sucht in den Griff zu bekommen, dann greife ich zu.
    Das andere sind Feinheiten, die für dich sehr wichtig sein mögen, aber für stark übergewichtige erstmal nicht relevant sind.Die sind eher durch Herzinfarkt oder Diabetes bedroht und haben damit einen ganz anderen Ausgangspunkt, als ein Leistungssportler.


    LG
    Ina

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    1. Esist völlig unerheblich, ob man nun Low Carb oder Low Fat oder sonstwie seine Ernährung und sein Suchtverhalten verändert: Es kommmt immer (nochal: IMMER) auf ein Kaloriendefizit an. Es ist völlig egal, wie man das nun erreicht, die Blutwerte werden unterm Strich besser werden.
      Dass jeder Übergwichtige auf Low Carb besser ansprecchen würde ist ebenfalls falsch. Auf Low Carb sprechen Menschen an, deren Bluzuckermanagement entgleist ist und bei denen hohe Blutzuckerspiegel, gepaart mit Insulinresistenz bis hin zu Diabetes 2 vorliegen. Das betrifft aber nicht alle Übergewichtigen. Wer pauschal Low Carb als Allheilmittel für Übergewicht, Herz-Kreislauf usw. empfihelt hat leider nicht viel Ahnung davon, wie komplex die Gesamtzusammenhänge sind und hat das, was ich an fundamentaler Kritik am pseudowissenschaftlichen Unterbau des Ansatzes hier übe, wenn überhaupt wirklich gelesen, so dann leider nicht verstanden.

      Ob jemand Leistungssportler ist oder nicht ist völlig egal, denn es geht um die Grundsatzfrage, ob LCHF als eine Dauerernährung artgerecht und gesund für den Menschen sein kann und wie es um die fundamentalen Stoffwechselzusammenhänge steht, so wie diese verkauft werden, um dem Ganzen einen wissenschaftlichen und damit seriösen Anstricht zu verpassen. Und um den steht es, je tiefer ich eindringe in die Materie, nicht zum Besten, weil halbgare bis nachweislich falsche Dinge als Fakten verkauft werden und die Risiken des Ansatzes verharmlost oder sogar ausgeblendet werden.

      Wenn es für Dich "Feinheiten" sind, ob jemand aufgrund einer dauerhaft betriebenen LCHF-Ernährung zb an Darmbrebs erkrankt, weil es mangels ausreichend zugeführter Kohlenhydrate an Glykoproteinen und/oder Glykolipiden als Baustoffen mangelt, dann darfst Du das all denen gegenüber, die auf deine Meinung gebaut haben, moralisch rechtfertigen.

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  10. Hallo Robert, ich ernähre / lebe ebenfalls nach paleo und wollte dich fragen, welche KH Mengen du einem Sportler empfiehlst bzw. woran merke ich ich, dass ich zu wenig KH zu mir nehme? Des Weiteren wäre für mich von Interesse, mit welchen Lebensmitteln du deinen KH Bedarf deckst. Danke und einen schönen Abend, Tom

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    1. Hi Tom,

      wieviel KH ein Sportler braucht hängt von verschiedenen Parametern ab, die sportartspezifisch sind und von Trainingsdauer und -intensität abhängen. Auch der Füllstand der Leber- und Muskelglykogenspeicher sowie die Anpassung des Fettsoffwechsels an Ketosis als Stoffwechsellage spielen eine Rolle. Kann man also nur schwerlich pauschalieren und mna muss selbst ein wenig experimentieren, was individuelle funktioniert und was einem gut bekommt.

      Als grober Leitfaden kann Dir vielleicht dienen, was ich vor einiger Zeit mal hier veröffentlicht habe:

      "Mit dem Paleo-Lifestyle zu neuen Höchstleistungen (Teil 3)": (http://www.triathlon-szene.de/index.php?option=com_content&task=view&id=899&Itemid=81&limit=1&limitstart=0)

      Ich decke meinen KH-Bedarf primär über viel, viel Gemüse (auch stärkehaltiges Wurzelgemüse, aber keine Kartoffeln, es sei denn ich bin irgendwo zu Gast, dann zicke ich nicht rum), in zweiter Linie über Obst und ein wenig Honig (kaum mehr als 1-2 TL/Tag meist im Salatdressing).

      Wenn es das Radtraining aufgrund geplant hoher Intensitäten oder Umfanges (> 3 Stunden) erfordert, dann supplementiere ich auch schon mal während des Trainings mit reiner Glucose (Traubenzucker) und Maltodextringemisch in der Radflasche. Mehr als 50g/Stunde Trainingsbelastung aber nicht. Auf längeren Radtouren geb ich mir dann auch einen oder zwei Löffel Zucker in den Kaffee in der Eisdiele, wenn ich nen Boxenstop mache, je nachdem wie sich die Beine anfühlen. Ansonsten die gute alte Banane in der Trikottasche. Keine Gels, Riegel usw. - feste Nahrung bindet zu viel Blut im Magen-Darm-Trakt und kann potenziell zu Beschwerden wie Übelkeit, Aufstossen, usw. führen, vor allem bei höheren Intensitäten. Da ist "Flüssigsprit" in dieser Form einfach besser, auch wenn dieser natürlich dem Paleo-Prizip der natürlichen Nahrungsmittel widerspricht. Ich bin da schlicht pragmatisch statt dogmatisch. Was man alternativ machen kann, wäre frisch gemixte Wassermelone (ggfls. mit Wasser verdünnt) in die Flaschen zu füllen. Mir ist die Sauerei aber zu groß. Grundsätzlich ist aber Wassermelone kein schlechter Treibstoff, den die meisten auch super vertragen.

      Gruß Robert

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  11. Ich finde die Diskussion hier eigentlich sehr interessant. Auch Interessant ist die objkeitve und kritische Untersuchung eurer Seits bzw das kritisieren der Ernaehrungsformen. (LC gibt es ja auch jnoch in utnerschiedlichen Variationen....)

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  12. Hallo Robert,

    ich muss nochmal auf meinen Beitrag vom 09. August zurückkommen.

    Mir fällt immer mehr auf, dass ich vermutlich zu wenige KH zu mir nehme. Unter der Woche ist es besonders auffällig. Da ich nicht frühstücke und zum Mittagessen auf das Salat/Gemüse/Fleischangebot der Firmenkantine zurückgreifen muss und "nur" abends wirklich mal bewusst KH zuführe komme ich teilweise nicht über 70g/Tag. Das merke ich teilweise zu Beginn der Woche besonders, da fühle ich mich teilweise wie benebelt oder abwesend. Am Wochenende achte ich mehr auf die KHzufuhr, da ich hier auch meistens mehr und länger Sport mache. Auf den Punkt gebracht: Ist es von Nachteil das meine KHaufnahme zwischen 40 und 150 schwankt? Ich nehme an, dass teilweise zu wenige Ketonkörper zur Verfügung stehen um das Gehirn ausreichend versorgen zu können. Besteht die Gefahr, dass es einen Wechselzustand zwischen Ketosis und Gluconeogenesis gibt? Wenn ja, ist dies "schlimm"?
    Danke und viele Grüße, Tom

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    1. Hi Tom, die meisten Menschen sind bei einer Aufnahme von weniger als 100g KH/d in Ketose. Hängt aber vor allem vom Füllstand der Leberglykogenspeicher ab. Wenn du zwischen 70 und 50 g hin und her switcht, dürftest du also mit hoher Wahrscheinlichkeit zwischen Glykosis und Ketosis wechseln. Das ist aber keineswegs "schlimm", sondern der physiologische Normalzustand. Unser Stoffwechsel ist, wenn man so will, als Hybridantrieb konzipiert (evolviert). Allerdings hat das natürlich zur Folge, dass eine optimale Anpassung an Ketose (Ketoadaption) so nicht stattfinden kann. Wenn Du aber einmal über dauerhafte Ketose ketoadaptiert bist und das enzyatische Regelsystem entsprechend aufgestellt, dann macht das Switchen i.d.R. kaum Probleme mehr. Die meisten Menschen waren ihr Leben lang so gut wie nie in Ketose und wenn dann nur kurzfristig. Entsprechend tauchen dann solche Symptome auf, wie du sie beschreibst. Alle Rohre durchpusten und dann läuft der Motor wieder rund ;)

      Gruß Robert

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    2. Korrektur: Ich meinet natürlich: "zwischen 70 und 150 g/d"

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  13. Hallo! Ich habe auch schon (ich glaube) alle Ernährungsweisen ausprobiert, die es so gibt.

    Das gute daran ist: Ich habe einen Erfahrungswert, den mir niemand mehr nehmen kann. Mein Körper hat aus eigener Erfahrung gelernt ich muss nicht mehr auf jemand anderen hören oder auf Tabellen achten. Nur als Anregung und zur Feinabstimmung und mal und wenig "Neues" ausprobieren. Das macht ja auch Spaß! :-)

    Das schlechte ist: Dafür habe ich aber auch mit so manchen Ernährungsweisen meinen Körper etwas ruiniert und hoffe jetzt, dass sich das wieder geradebügeln lässt.

    Ohne Kohlenhydrate geht bei mir gar nicht und natürlich sollten es aber auch nicht zu viele sein. Die Mitte scheint das beste zu sein und so bin ich auch auf die Ernährungs- und Lebensweise nach yin und yang gekommen. Somit sind "keine Kohlenhydrate" und "ausschließlich Kohlenhydrate" zwei Gegensätze und man kann ja mal für sich herausfinden, wo für einen die persönliche Mitte ist! Oder auch bei Fett oder Rohkost und was es nicht noch alles für Gegensätze gibt!

    Die Ernährung, mit der ich mich am wohlsten fühle, lässt sich von Barbara Temelie in diesem Video ganz grob zusammenfassen: http://www.youtube.com/watch?v=qOy-kO8mJvk
    Oder hier eine Seite von Jutta Bruhn:
    http://www.besser-gesund-essen.de/

    Viele liebe Grüße von Inga

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  14. Hi,

    danke für den „Wake up call“. Extreme und Dogmen haben eben in der Regel so ihre Schwachstellen.

    Paul Jaminet hat vor einiger Zeit eine Blog-Serie zum Thema „The Dangers of of Zero-Carb Diets“ geschrieben: http://perfecthealthdiet.com/2010/11/dangers-of-zero-carb-diets-i-can-there-be-a-carbohydrate-deficiency/

    Ich glaube in seinem Buch „Perfect Health Diet“ hat er auch darauf hingewiesen.

    Beides sehr lesenswert.

    Also: „Safe starches“, und nicht zu viel davon.

    Ciao,
    Constantin

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