Freitag, 18. Dezember 2015

Auf dem Paleo-Prüfstand: Die 10 Regeln der D.G.E. (Teil 2)

Bild: pixabay
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (D.G.E.) publiziert auf ihrer Website 10 Regeln für einen gesunden Lebensstil. Ich habe in Teil 1 dieses Essays damit begonnen, diese 10 Regeln aus Sicht des Paleo-Lebensstils auf Stichhaltigkeit hin abzuklopfen.. Heute die Fortsetzung und der Schluß mit der Diskussion der Regeln 6 bis 10.
von Robert Bock
6. Zucker und Salz in Maßen
Verzehren Sie Zucker und Lebensmittel bzw. Getränke, die mit verschiedenen Zuckerarten (z. B. Glucosesirup) hergestellt wurden, nur gelegentlich. Würzen Sie kreativ mit Kräutern und Gewürzen und wenig Salz. Wenn Sie Salz verwenden, dann angereichert mit Jod und Fluorid.

Muß besser heißen: Verzehren Sie Zucker und Lebensmittel, denen isolierter Zucker zugeführt wurde, gar nicht. Völlig überflüssig und krankmachend. Auch keine Süßstoffe, auch nicht wenn Stevia drauf steht. Wenn man Lust auf etwas Süßes hat: Obst oder wenig Honig. Mehr an "Süssigkeiten" hatten unsere altsteinzeitlichen Ahnen über mehr als 99% der Menschheitsgeschichte auch nicht zur Verfügung und je nach Lebensraum nicht einmal ganzjährig. Gerade wer Gewichtsprobleme hat, verkneift sich gezuckerte Nahrung besser komplett und genau so sollte eine verantwortungsbewußte "goldene Regel" m.E. konsequenterweise auch lauten. Den "gelegentlichen" Verzehr als "gesund" zu verkaufen, ist m.E. ein Zugeständnis an die Industrie, die genau weiß, dass der Zusatz von Zucker oder künstlichen Süssungsmitteln geeignet ist, die Haltbarkeit und/oder den Absatz ihrer im Grunde überflüssigen Produkte zu erhöhen. Punkt.

Der Einfluß von Salz auf Bluthochdruck ist minimal und selbst eine salzlose Diät bewirkt diesbezüglich so gut wie nichts. Das Problem ist vielmehr ein Ungleichgewicht von Natrium und Kalium in der heute üblichen Ernährung. Je mehr Kaliumbomben wie Obst, Gemüse und Muskelfleisch man isst, desto mehr Salz verträgt man auch. Meidet man industriell bearbeitete Lebensmittel, sinkt die Salzzufuhr automatisch.

Salzt  nach gusto und vermeidet entgegen dem Rat der D.G.E. Salz, das künstlich mit Flour und Jod angereichert wurde. Fluoride sind Gift und auch Jod sollte man nicht ärztlich unindiziert systematisch zuführen. Wer keinen Zucker und wenig stärkehaltige Lebensmittel konsumiert und sich regelmäßig die Zähne putzt, braucht keine Angst vor Karies zu haben und kann sich die Zufuhr von toxischen Substanzen wie Fluoriden ohnehin sparen. Degeneration des Zahnapparates ist ein Phänom des Verzehrs denaturierter Nahrung und konzentrierter Kohlenhydrate. Eindrucksvoll und reich bebildert beschrieben vom Zahnarzt Weston Price bereits im Jahr 1938 in seinem Buch "Nutrition and Physical Degeneration" beschrieben (hier kostenlos und komplett zum Download).

Leidet Ihr unter gelegentlichen Muskelkrämpfen (z.B. in den Waden), dann kann das auch an einem Natrium-Mangel liegen. Insbesondere Sportler tun gut daran, zum Zwecke des Ausgleichs des Elektrolythverlustes durch das Schwitzen etwas großzügiger zu salzen. Ein akuter Muskelkrampf beim Sport ist i.d.R. eher einem Mangel an Natrium geschuldet, als einem Magnesiummangel. Magnesium läßt sich als Nahrungsergänzungsmittel nur wesentlich lukrativer vermarkten als Natrium - das weiß selbst ein Chemie-Laie, dass es Kochsalz als Problemlöser völlig tut - und etwaige Magnesiumdefizite aufzufüllen, ist eine Frage von Wochen bis Monaten und eine einzelne Gabe in vertretbarer Dosis, hilft akut recht wenig.

Reines Meer- oder Steinsalz (gerne auch aus deutschen Landen) ohne Zusatzstoff-Schischi ist die beste Wahl.

Ein Großteil des völlig überteuerten Himalaya-Salzes stammt übrigens aus Polen - ganz schön groß, der Himalaya, oder? Nichts als Geschäftemacherei mit gesundheitsbeseelten ZeitgenossInnen mit Affinität zu esoterischen Heilsversprechen mit ihren selbstgebatikten Seidenschals, die sich Samstags auf den Wochenmärkten tummeln und schlecht erzogene Kinder mit sich führen, die von ihren Eltern mit ausgeprägtem Enthusiasmus auf ernährungstechnisch falschen Pfaden ins Leben geleitet werden. Es reicht nicht, wenn man es gut meint, man muß es gut machen. 
Tim Mälzer oder Christian Rach sind Köche und keine Referenz in Ernährungsfragen und ihre Ernährungsshows eine von der D.G.E. und nach ihren Regeln ausgebildeten "Ernährungsexperten" angeleitete Volksverdummungsveranstaltung im Sinne der Interessen der  Industrie und Agrarwirtschaft.

7. Reichlich Flüssigkeit
Wasser ist lebensnotwendig. Trinken Sie rund 1,5 Liter Flüssigkeit jeden Tag. Bevorzugen Sie Wasser – ohne oder mit Kohlensäure – und energiearme Getränke. Trinken Sie zuckergesüßte Getränke nur selten. Diese sind energiereich und können bei gesteigerter Zufuhr die Entstehung von Übergewicht fördern. Alkoholische Getränke sollten wegen der damit verbundenen gesundheitlichen Risiken nur gelegentlich und nur in kleinen Mengen konsumiert werden.
Trinken macht Sinn. Es existieren aber leider keinerlei Studien, die Empfehlungen wie "Trinken sie 1,5 Liter Flüssigkeit am Tag" fundieren. Nichts als Unfug, wenn eine konkrete Zahl empfohlen wird. Die Evolution hat uns den Durst als Werkzeug gegeben. Trinkt wenn Ihr durstig seid und vermeidet Trinkexzesse, es sei denn Euer Arzt hat es Euch aus Gründen, die er für richtig hält (Nierengesundheit,...) angeraten. Gesüßte Getränke trinkt Ihr entgegen dem Rat der D.G.E. nicht selten, sondern besser gar nicht.

Wozu Kohlensäure? Stilles Wasser, wie es Mutter Natur uns anbietet, ist das Mittel der Wahl. Kohlensäure wird vor allem gerne dann zugesetzt, wenn das Wasser im Naturzustand so mies und abgestanden schmeckt, dass es sich nicht verkaufen läßt. Die D.G.E. nimmt eben beim Formulieren von Ratschlägen ans gemeine Volk Rücksicht auf ihre Mitglieder aus der Mineralbrunnenbranche... .

8. Schonend zubereiten
Garen Sie die Lebensmittel bei möglichst niedrigen Temperaturen, soweit es geht kurz, mit wenig Wasser und wenig Fett – das erhält den natürlichen Geschmack, schont die Nährstoffe und verhindert die Bildung schädlicher Verbindungen. Verwenden Sie möglichst frische Zutaten. So reduzieren Sie überflüssige Verpackungsabfälle.
Was die Vermeidung von Verpackungsabfällen in diesem Kontext verloren hat, das wissen die Götter, aber sei's drum... .

Der Tipp muß lauten: Essen Sie möglichst viele ihrer Lebensmittel roh. Lebensmittel, die erst durch Denaturierung (z.B. Erhitzen)  verdaulich werden, haben in einer gesunden Ernährung nach Paleo-Vorstellung ohnehin keinen Stammplatz (z.B. Kartoffeln, Hülsenfrüchte).

Rohkost (auch Fleisch und Fisch einwandfreier Herkunft!) enthält sämtliche Vitamine und Enzyme und sonstige potenziell gesundheitsfördernde Mikronährstoffe, die von Denaturierung betroffen sein können. Außerdem muß der Körper mehr Energie aufwenden, um rohe Nahrung zu verdauen, was der Energiebeilanz zugute kommt.

Manche Formen der Denaturierung, z.B. milchsaueres Vergären von Gemüse (z.B. Sauerkraut) sind aber durchaus diskutierbar, wenn auch i.d.R. nicht strikt paleo, da sich so der Gehalt an gesundheitsförderlichen Mikronährstoffen erhöhen läßt. Lebensmittel, die erst durch Denaturierung für den Menschen halbwegs geniessbar werden (Hülsenfrüchte, Sojaprodukte) haben in einer gesunden Ernährung nach Paleo-Verständnis generell keinen Platz.

Falls nicht roh, dann - wie die D.G.E. beschreibt- "schonend" gegart, um die hitzeempfindlichen Mikronährstoffe nicht übermäßig zu dezimieren und das Entstehen von gesundheitsschädlichen Substanzen zu vermeiden. Flüssigkeit, die beim Garen aus Gemüse oder Fleisch austritt nicht wegschütten, sondern z.B. eine Sauce daraus ziehen, da sie i.d.R. reichlich Nährstoffe (z.B. Kalium) enthält.

Was das Fett angeht: Gerne reichlich und nicht geizig - aber die richtigen Fette, solche die sich auch schadlos hoch erhitzen lassen: Butterschmalz/Ghee, Schweineschmalz, Rindertalg, Olivenöl, Kokosöl.

Möglichst keine pflanzlichen Öle mit einem nennenswerten Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, denn die verwandeln sich bei hohen Temperaturen (vor allem beim Fritieren) potenziell in die schädlichen Transfette.
Keine Margarine, kein Rapsöl und schon gar kein Soja-, Sonnenblumen-, Maiskeim-, Erdnuss- und Distelöl. Lein- und Hanföl ausschließlich unerhitzt verwenden!

Generell wird es brenzlig, wenn man pflanzliche Öle mit Kohlenhydraten hocherhitzt, da in den Maillard-Reaktionen schädliche Substanzen (z.B. Acrylamid) entstehen können. Deshalb waren die Pommes bei MäcDoof in der "guten alten Zeit", damals, als man noch mit Schmalz fritierte, nicht so übel, wie ihr heute allerdings berechtigter Ruf, seit man branchenweit auf Pflanzenöl umgestellt hat, weil akademische Vollpfosten in der Schule von Ancel Keys meinten, gesättigte Fette wären schädlich und Einfluß auf die Politik zu nehmen begannen. In der Hölle sollen sie meinetwegen bis in alle Ewigkeit in siedendem Pflanzenfett vor sich hinsimmern für dieses Verbrechen an der Lebensqualität und Gesundheit von Millionen von Menschen! Und die Ewigkeit zieht sich, vor allem gegen Ende zu... .

Auch vor geräucherten, insbesondere heißgeräucherten Lebensmittel, sollte man Respekt haben und sie nur gelegentlich oder gar nicht konsumieren. Gepöckelte Fleischwaren niemals hoher Hitze (z.B. Grillen) aussetzen. Wie bereits an anderer Stelle geschrieben: es ist nicht das Fleisch, das gesundheitsgefährdend ist, sondern die Denaturierungs- und Verarbeitungsarten, die es gefährlich machen können.

9. Sich Zeit nehmen und genießen
Gönnen Sie sich eine Pause für Ihre Mahlzeiten und essen Sie nicht nebenbei. Lassen Sie sich Zeit, das fördert Ihr Sättigungsempfinden.
Dagegen habe ich ausnahmsweise nichts einzuwenden.  Ich hasse es, im Stehen und Gehen zu essen und kann Menschen nicht verstehen, die sich nicht die Zeit nehmen wollen, sich zur Nahrungsaufnahme gemütlich hinzusetzen, ihrer Nahrungsaufnahme Achtsamkeit zu schenken und den Pflanzen und Tieren, die für sie ihr Leben gelassen haben, so ein Mindestmaß an Respekt entgegenzubringen. Slow-Food ist (in diesem Sinn verstanden) statt Fast-Food angezeigt!

10. Auf das Gewicht achten und in Bewegung bleiben
Vollwertige Ernährung, viel körperliche Bewegung und Sport (30 – 60 Minuten pro Tag) gehören zusammen und helfen Ihnen dabei, Ihr Gewicht zu regulieren. Gehen Sie zum Beispiel öfter einmal zu Fuß oder fahren Sie mit dem Fahrrad. Das schont auch die Umwelt und fördert Ihre Gesundheit.

Beim Begriff "vollwertig" bekomme ich Schnappatmung, sorry! Fehlt noch "ausgewogen" und ich geh' die Wand hoch. Inhaltsleeres, dummes Worthülsengeblubber, auf das sich die Dummen eifrig nickend einigen können, wenn es um das Finden eines, und sei es auch noch so kleinen gemeinsamen Nenners in Ernährungsfragen geht... Hach, was sind wir doch alle wieder konsensorientiert ohne zu wissen, was wir vor uns hinplappern... . *räusper

Was die Bewegung angeht, sollte man die Tipps der D.G.E. als Minimalansatz werten. Mindestens zwei Stunden am Tag Bewegung, davon 30-40 Minuten außerhalb des Schlurftempos sind besser. Wer nicht täglich mindestens einmal außer Atem oder ins Schwitzen kommt, macht etwas falsch. Abgesehen davon: Die D.G.E. betritt Terrain auf dem sie kein Heimspiel hat - besser die Klappe halten von Themen von denen man noch weniger Ahnung hat, als vom Stammgebiet - aber geht das im Fall der D.G.E. überhaupt?

Soviel zu meinen Kritikpunkten an den 10 Regeln der D.G.E.? Fallen Euch weitere ein?

Re-Post vom 24.03.2014

Kommentare:

  1. Danke auch für diesen Beitrag - ich lese gern hier mit. Und meine Zustimmung!
    Fazit von mir: man kann froh sein, selber alles kritisch zu hinterfragen, viel zu lesen und der DGE gar nicht zu vertrauen. Schön, dass das Thema Ernährung heute bei vielen Menschen Nachdenklichkeit und Motivation hervorbringt. Danke auch an das www.!!
    Die meisten Menschen müssen die Erkenntnisse von Paleo und LCHF an sich selbst ausprobieren. Ein sehr konsequentes Vorgehen ist dafür nötig. Daran scheitert leider so mancher Mensch. Symptome werden oft falsch gedeutet und dann LCHF anstelle der Zuviel-Esserei, dem Bedürfnis nach Schlemmerei angelastet. Es bleibt ein spannendes Thema. Das Feintuning liegt in der Verantwortung des Einzelnen.
    Für mich jedenfalls ist die konsequente Umstellung nach den Prinzipien von Paleo und LCHF das größte Geschenk an mich.

    Grüße Aronia

    Aronia

    AntwortenLöschen
  2. Sehr schöner Beitrag. Wieder mal was gelernt :)
    Aber hier muss ich nochmal nachhaken:
    Olivenöl gehört doch nicht zu den Fetten, "die sich auch schadlos hoch erhitzen lassen", oder gibt es dazu neue Erkenntnisse? Soweit ich weiß kann man Olivenöl zwar erhitzen, sollte dies aber nicht auf zu hoher Stufe tun. Zum kochen setze ich es daher lieber gar nicht ein, sondern verwende hier Kokosfett. Das Olivenöl kommt aber gerne über den Salat (zusammen mit Leinöl versteht sich).

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mit "hoch erhitzen" meine ich nicht fritieren und nur knapp bis unter den Rauchpunkt. Öle mit einem niedrigen Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren lassen sich problemlos hoch erhitzen. In Mittelmeerländern hat man selbst mit Frittieren keine Bedenken.... lass ich lieber und verwende Schweine- oder Butterschmalz für solche (seltenen) Zwecke.
      LG Robert

      Löschen

Die Veröffentlichung Deines Kommentars findet statt, nachdem ich diesen freischalte. Kann ein wenig dauern... . Hinweis: Offensichtliches Dumpfbackengelaber, Verstöße gegen die Netiquette sowie Spamming führen zur unkommentierten Nichtveröffentlichung des Kommentars. Als Hausherr dieses Blogs obliegt das meiner Entscheidung. Danke fürs's Verständnis.