Freitag, 9. Oktober 2015

Warum wir im Herbst Speck ansetzen und wie wir das vermeiden können

Im Herbst gibts keinen Anlaß über ein paar zusätzliche Pfunde deprimiert zu sein.... schließlich ist das in unseren Genen programmiert, dass wir in vor dem Winter Speck ansetzen. Ich weiß, das tröstet diejenigen nicht über diesen Umstand hinweg, die ihre Waage im Herbst gewaltig zu nerven beginnt...

Ohne ein paar Extrapfunde wären unsere Ahnen der Steinzeit nicht über den Winter gekommen. Wer im Herbst schlank blieb, überlebte den unter Umständen an Nahrung eher kargen Winter nicht und konnte seine Gene in der Folge nicht an die nächste Generation weitergeben. So haben sich im Laufe der Zeit aufgrund des offensichtlichen Selektionsvorteils überwiegend die Erbanlagen von "Speckansetzern" durchgesetzt.
von Robert Bock


Experten der Chronobiologie vermuten einen Zusammenhang mit zirkadianen Rhythmen, d.h. die Veränderung des Sonnenstandes und der Sonnenscheindauer pro Tag führt dazu, dass unser Stoffwechsel runtergefahren wird um Sprit zu sparen. Gepaart mit der jahreszeitlich bedingt maximalen Verfügbarkeit von gesammeltem zuckerreichem Obst und gejagtem Wild, das sich bis zum Herbst maximal viel Winterspeck angefressen hatte, ergab sich so eine ideale Kombination für unsere Urahnen, um sich ihrerseits den für sie überlebenswichtigen Winterspeck anzufuttern zu können: Stoffwechsel auf Sparflamme, Kalorienzufuhr auf Maximum und noch dazu Nahrung mit maximaler Insulinausschüttung (hochklykämische Kohlenhydrate in Kombination mit Proteinen) und in der Folge Fettspeicherung. Ein Set-Up, das uns heute, die wir in Zeiten des Überflusses leben, nicht mehr von Vorteil ist. Aber: Unser Immunsystem arbeitet zuverlässiger, wenn wir ein wenig mehr Reserven auf den Rippen haben als im Sommer. Man sollte sich also nicht zu sehr grämen, wenn die Waage ein wenig nach oben tendiert. Was nicht bedeutet, dass man die Dinge aus dem Ruder laufen lassen sollte.

Hierzu ein paar Tipps, wie man seine Gene ansatzweise überlisten kann:

  • Man sollte sich bei Sonnenschein möglichst oft und mit möglichst viel freier Haut, der Sonne aussetzen.
  • Man sollte einen Bogen um Süßkram und extrem fettreiche Nahrungsmittel machen. Milch-Schoggi und Weihnachstgebäck sind diesbezüglich kontraproduktiv. Wer sich paleo ernährt, meidet diese Nahrungsmittel ohnehin.Sollte er/sie zumindest. Theoretisch. Ok... lassen wir das ;-) .
  • Auch wenn das Angebot auf dem Markt derzeit eher dünn ist: Öfter mal - wie das viele auch im Sommer machen - Gemüse und Salat essen.
  • Rohkost erfordert deutlich mehr Verdauungsarbeit als gekochte Nahrung. Wer abnehmen will, sollte einen möglichst großen Teil seiner Nahrung roh essen. Das gilt auch für Fleisch und Fisch.
  • Suppen, Eintöpfe und Schmorgerichte auf Fleischbasis bedeuten maximale Fettzufuhr, denn anders als zb beim Grillen bleibt das ausgebratene Fett im Topf. Auch das wohl ein Grund warum uns instinktiv in der kalten Jahreszeit zu deftigen Eintopfen und Schmorgerichten drängt, die uns im Sommer eher nicht reizen. Solche Gerichte also mit sehr magerem Fleisch zubereiten. Sichtbares Fett möglichst vor dem Kochen schon entfernen, wenn man seine Gene austricksen will.
  • Verzichtet nicht aufs Frühstück!  Zahlreiche sauber gemachte Studien zeigen, dass man Übergewicht besser abbauen und vermeiden kann, wenn man morgens etwas isst. Jäger und Sammler essen primär eine große Mahlzeit am Tag - und diese abends, wenn die Beute heimgebracht und zubereitet ist. Deren Ernährungsverhalten ist in ihrem Lebensumfeld vorteilhaft - sie müssen möglichst effektiv Speck ansetzen. Genau das, was wir nicht wollen. Wer Paleo lebt, der muss eben die Zusammenhänge auch clever an unsere postmodernen Umfeldbedingungen adaptieren und nicht lediglich imitieren, wie es die schlichteren Gemüter der Szene empfehlen.
  • Last, but not least: auch wenn das Wetter nicht immer einladend ist: Sport treiben. Viele Menschen reduzieren im Herbst und Winter ihre körperlichen Aktivitäten gegenüber der warmen Jahreszeit deutlich. Das ist natürlich kontraproduktiv, wenn man auch im Winter statt einer Hallenbad- eine Freibadfigur haben will.
Re-Post vom 18.09.2013

Kommentare:

  1. Hallo Robert,

    d.h. in der Früh frühstücken und abends nicht den Magen voll schlagen? Das werde ich an meine bessere Hälfte weitergeben.

    Als Sportler würde ich abends allerdings weiterhin ausreichend viel essen.

    Würdest du uns bitte einen Einblick in deine tägliche Nahrungsaufnahme geben? Wie ernährst du dich an Tagen mit langen Radeineinheiten oder an Ruhetagen?

    Danke und Gruß,
    Tom

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    1. Meine eigenen Ernährungsgewohnheiten sind im Detail unerheblich. Jeder muß seinen eigenen Weg finden, denn was für den einen prima hinhaut, kann für den anderen im Desaster enden.

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    2. Hallo Robert, bitte erklärt mir den Zusammenhang mit dem Abnehmen\Gewichhalten und dem Frühstück. Ich hätte jetzt intuitiv gesagt, dass man sich Vormittags das Glucagon zum Vorteil nutzen kann. Danke, Tom

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    3. Wer frühstückt, nimmt bei Ernährung ad libitum (d.h. du kannst so viel futtern, bis du dich gesättigt fühlst) weniger Kalorien zu sich. Das hat die weit überwiegende Mehrheit der einschlägigen Studien dazu ergeben. Daunter auch methodisch einwandfrei gemachte kontrollierte klinische Studien. Warum da sso ist, ist nicht Gegenstand der Studien gewesen, sondern der signifikante statistische Zusammenhang ist das was hier zählt. Was die Ursache-Wirkungs-Beziehung angeht, müßte man spekulieren. Ich habe da keine Meinung dazu, da das Thema Chronobiologie und die ohnehin schon enorm komplexen hormonellen Mechanismen der Sättigung da einfach zu viele Optionen offen lassen und ich mir nicht anmaße zu wissen, warum die Effekte so sind, wie sie eben nun mal statistisch signifikant sich darstellen. Rein pragmatisch heißt das: Wenn du nicht zunehmen willst (resp. abnehmen willst) tust du gut daran zu frühstücken, denn dann nimmst du für den Rest des Tages weniger Energie zu dir und bleibst wahrscheinlich eher von Heißhunger verschont als wenn du aufs Frühstück verzichtest. Über die Art und Zusammensetzjng des Frühstücks ist dazu meinerseits keinerlei Aussage getroffen, da auch das sicherlich ein zu weites Feld der Spekulation bedeutet.

      Gruß Robert

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  2. Auch, wenn ich das mit dem Frühstück anders sehe, ist das was Robert sagt nochmal betonenswert: Was andere machen spielt keine Rolle. Warum sie das machen, kann für sich gebrauchen. Über das Warum schreibt Robert ja schon seit 2011. :)

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